Musiktipp: Maite Hontelé – Te Voy A Querer

„Holandesa de nacimiento – latina de corazón.“

So beschreibt die Trompeterin Maite Hontelé sich selbst.

Mit der gebürtigen Holländerin lässt sich hervorragend an den letzten Beitrag (http://groove-werkstatt.de/wie-kommt-die-musik-in-den-menschen/) anknüpfen.
Denn ihre Liebe zur Salsa-Musik ist durch das Elternhaus geprägt worden. Ihr Vater, ein Sammler, hörte viel verschiedene Musik, vor allem aber drehten Latin-Scheiben auf dem heimischen Plattenspieler.

Im Alter von 9 Jahren begann sie, Trompete zu spielen, zunächst in Blasorchestern. Mit 14 spielte sie in ihrer ersten Salsa-Band. Es folgte ein World Music Studium in Rotterdam. Sie lebt seit über zehn Jahren in Kolumbien – ein Entschluss, den sie 2003 bei einer Konzertreise durch das südamerikanische Land fällte. Die Menschen dort atmen Salsa und Latin-Musik, dort fühlt Maite sich zuhause.

Die „Mujer Sonora“ (Spitzname und Titel ihres zweiten Albums; dt. Klangfrau) tourte bereits mit Größen der Latin-Szene wie Rubén Blades, Buena Vista Social Club und Oscar D’León. 2014 war ihr Album „Dejamé Así“ für den Latin Grammy für das beste Salsa-Album nominiert.

Den endgültigen internationalen Durchbruch schaffte sie mit diesem tanzbaren Gute-Laune-Song:

Eine Mischung aus hervorragender Technik und freudiger Expressivität kennzeichnen Hontelés Sound. In jeder Note transportiert sie ihre Liebe zu den lateinamerikanischen Musikstilen. Melodien und Akkorde sind betont einfach, was die rhythmische Komponent hervorhebt und die Musik tanzbar macht.
Stilistisch lässt sie sich in keine Schublade stecken, spielt traditionellen kubanischen Son und Bolero genauso wie kolumbianische Cumbia, New Yorker Salsa, trinidadschen Calypso und argentinischen Tango. Die Besetzung ist dabei minimalistisch und trotzdem klanglich vielfältig und flexibel. Traditonelle kubanische Tres trifft auf E-Piano, Percussion auf elektrischen „Baby-Bass“.

Besonders das Percussion Set-Up besticht durch seine traditionelle Ausstattung, die virtuose Spielweise ein Beweis dafür, dass keine Materialschlacht notwendig ist, um scharfe Grooves zu erschaffen. Der Conguero spielt auf nur zwei Congas, der Bongocero wechselt zwischen Bongos, Campana und Güiro. Das klassische Timbales-Setup verzichtet ganz auf modernen Schnick-Schnack wie Bass Drum oder Snare Drum, lediglich zwei Crash-Becken erweitern das traditionelle Equipment, bestehend aus zwei Kesseln, Mambo Bell, Cha Cha Bell und Woodblock. Insgesamt kommt die Percussion sehr schlank daher, hält sich im Gesamtklang im Hintergrund und treibt trotzdem den Motor von Maite Hontelés herausragendem Ensemble an.

Es ist schwierig, einen Song herauszuheben, auf einem Album, das durch stilistische Diversität glänzt. Wenn ich trotzdem wählen müsste, wäre mein persönlicher Lieblings-Song auf „Te Voy a Querer“ die Nummer Hello My Friend, allein aufgrund seiner witzigen Entstehungsgeschichte. Die mangelhaften Englisch-Kenntnisse des kolumbianischen Komponisten Juancho Valencia führten oft zu folgenden Gesprächsverläufen bei seinen Auslandstourneen:

Juancho: Hello my friend. How are you?
Gesprächspartner erzählt lang und breit aus seinem Leben.
Juancho versteht kein Wort, nickt nur und sagt: Ah, okay. Goodbye.

Die Musik von Maite Hontelé kommt sehr traditionell daher, ohne sich modernen Einflüssen zu verwehren. Für Percussion-Liebhaber, Tänzer und alle, denen groovige Latin-Musik ein Lächeln in die Hüfte zaubert.

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